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Ein astrologisches reading ist Vertrauenssache

Ihre Geburtszeit ist das wohl das intimste Datum, das Sie besitzen.

Wer eine Praxis für Jyotish betritt, steht dem Thema Astrologie bestimmt nicht erstmals gegenüber. Vielleicht habe ich an manchen Stellen etwas viel Astrologisches oder Astronomisches vorausgesetzt? Dann kommt dieser Index sicher gerade richtig.

Er fällt persönlicher und informativer aus als üblich. Sie könnten anderenfalls alle Stichworte auch im Internet nachlesen. Daher ist es hilfreich, wenn Sie gerade auf dieser Seite gezielt nachlesen, was Sie interessiert oder Ihnen fraglich erscheint. 

Danach können Sie besser einschätzen, wem Sie in dieser Praxis einen Auftrag zu einer Analyse Ihres Geburtshoroskopes anvertrauen.

Ayanamsa: Ist die astronomische Differenz der Lokalisationspunkte eines Planeten zwischen dem tropischen Tierkreis, den die westlichen Astrologen verwenden und dem siderischen Tierkreis, den die indischen Astrologen zur Berechnung verwenden. Die Element sind dieselben, aber die Berechnungsweise ungleich. Was letztlich vom beobachtbaren Himmel übrig blieb, ist der Tierkreis, den westliche Astrologen heute verwenden: Der tropische Tierkreis, der aus Sicht der Astronomie etwas spöttisch als kalkulatorisches Hypothesenkonstrukt rangiert und diese Astrologie ein fragwürdiges Grauzonendasein fristen lässt. Die indische Regierung hatte ein über 20 Jahre andauerndes Forschungsprojekt beauftragt, in dem eine Vielzahl von Astronomen den korrekten Wert der genauen Differenz berechnen sollte. Führender Kopf der Gruppe war N. C. Lahiri, weshalb das anerkannte Aynamsa auch nach ihm benannt wurde: Hindu- Lahiri Ayanamsa.

ayanamsa - präzession

Ayanamsa – Präzession

Berufskodex und Karma

Karma ist nicht nur irgendein Modebegriff sondern zuvorderst eine sehr private Angelegenheit und es gibt so etwas wie eine sensible „karmische Intimsphäre“, die durch das Horoskop enthüllt wird. Seien Sie zurückhaltend mit der Preisgabe Ihrer Geburtsdaten. Viele, vor allem unerfahrene, aber auch allzu selbstsichere Astrologen lassen sich verleiten, unbedachte Schnellschussdeutungen anhand Ihres Horoskops zu äußern, die sich meist einzig am Sonnenstand – dem sogenannten westlichen „Sternzeichen„ orientieren.

Das mag für eine Partysituation vielleicht sogar belustigend sein oder sich im laufenden Fernsehprogramm kompetent anhören. Seriöse, objektivierbare und haltbare Aussagen zum Horoskop sind aber Ergebnis einer aufwendigen Arbeit, die nicht in zwei Minuten geschieht.

Ein solcher Astrologe kann durchaus in manchen Punkten richtig liegen, er kann aber ebenso immensen Schaden anrichten. Der Beschäftigung mit Astrologie und der praktischen Deutung gegenüber einem fragenden Menschen wird in der Populärastrologie keine besondere Bedeutung beigemessen.

Im vedischen Kulturraum hingegen wird die ausübende Praxis astrologischer Beschäftigung und das Halten von „readings“ (der Deutung von Horoskopen) an sich bereits als die Ausübung einer spirituellen Praxis, eine Sadhana erachtet (Sie wird als Karma Yoga bezeichnet). Sie erfordert eine gegenseitige Achtung und ein angemessenes Maß an Authentizität der Fragenden, die hilfreiche und wegweisende Antworten aus ihren Horoskopen erwarten. Gleiches gilt selbstverständlich für einen integer und seriös beratenden Astrologen: Er kommt bereits mit der Bekanntgabe der Geburtsdaten und in der Vorbereitung auf ein solches Reading mit den oben geschilderten fremden Karmas in Berührung und sollte diese universellen Kräfte, das damit zusammenhängende Lebensschicksal des Besuchers, dessen Anliegen und das in ihn gelegte Vertrauen mit Respekt, Verschwiegenheit gegenüber Dritten und Sorgfalt bei der Ausarbeitung der Fragen behandeln.

Dashas: Sind planetare Auslösungsphasen. Sie geben den Grundton, sozusagen die gefühlte „Lebenstemperatur“, also die substanzielle und universelle Resonanz über unterschiedlich lange Zeitphasen im Leben vor. Anhand dieser Dasha- Abfolgen ist es dem versierten indischen Astrologen überhaupt erst möglich, sinnvolle und zutreffende Prognosen abzugeben. Alle zu erwartenden Ereignisse und Tendenzen richten sich letztlich nach der „Schirmherrschaft“ der Dasha-Regenten. Allerdings dauern diese Dashas teilweise recht lang. Deshalb werden diese Auslösungen auch auf mehreren Ebenen (5) parallel analysiert und können die zu Erwartenden Ereignisse dadurch feiner justieren.

Drekkana: Ein Drekkana (oder auch Dreshkana) entspricht einer in der westlichen Astrologie existierenden “Dekade”. Dabei wird jedes Zeichen in 10° Winkel unterteilt und die Position eines Planeten daraufhin untersucht. Da jedes Zeichen exakt 30° Winkelgrade im Zodiak umfasst, gibt es also für jedes Tierkreiszeichen 3 Drekkanas: Eines von 0°-10°, eines von 10°-20° und eines von 20°-30° Winkelgraden. Jedes Drekkana hat seine eigene Symbolik und sie werden z.B. am Ende des Klassikers Brihat Jataka explizit beschrieben.

Geburtstag

Man unterscheidet astrologisch den:

Solaren Geburtstag. Diesen feiern Sie, wenn die Sonne die gradgenaue Position im Zodiak einnimmt, wie sie bei Ihrer Geburt auch stand. Dieser Zyklus umfasst exakt 365 Tage unseres Zeitverständnis´. Denn was wir mit dem Geburtstag feiern, ist ja, dass ein weiteres ” Jahr” seit unserer Geburt verging. Und unser Kalender ist so berechnet, dass die Erde in genau dieser Zeitspanne einmal die Sonne umkreist.

Und den lunaren Geburtstag. Der lunare Geburtstag kann ein bis 2 Wochen von Ihrem “herkömmlichen” Geburtstag abweichen. Er wird gefeiert, wenn neben der Sonne, auch der Mond in seinem Geburtsnakshatra steht und denselben Yoga, den er bei der Geburt gebildet hat, einnimmt. Daneben soll auch der Tithi übereinstimmen. Ein Tithi ist ein lunarer Tag, der die Entfernung zwischen den beiden Himmelslichtern Sonne und Mond exakt alle 12° Bogenminuten bemisst.

Nach indischer Auffassung stehen Sie deutlich besser in Resonanz und Disposition, wenn Sie den lunaren, statt den solaren Geburtstag feiern, einfach weil  mehrere Parameter mit Ihrem Horoskop übereinstimmen, als lediglich der Sonnenstand.

Graha Graha wird oft als “Planet” übersetzt. Aber genau genommen bedeutet Graha “der Greifende” oder “der Ergreifende”. An dieser Bezeichnung sehen wir, dass die Planeten im Jyotish Repräsentanten des zu erfüllenden Karmas sind. Je nach Rolle und Stärke des Grahas im konkreten Horoskop führt er in die eine oder in die andere Richtung und damit in eine Manifestation, die im Horoskop verschlüsselt ist.

Jyotish (Sanskrit: „Wissenschaft des Lichts“) ist die älteste und ursprünglichste Form astrologischer Deutungskunst, deren tradierte Quellen auf 5000-8000 Jahre vor unserer Zeit datiert sind. Jyotish wird auch als “das Auge des Veda” bezeichnet. Sie arbeitet Hand in Hand und untrennbar verzahnt mit der traditionellen indischen Heilkunst, dem Ayurveda (“der Lehre des Lebendigen). Beide entspringen zeitlich und in ihren Quellen den gleichen Untertexten der Veden, den Vedangas.

Karma

Wir sind es gewohnt, Begriffe allzu schnell aus Kulturkontexten zu entlehnen und mit sakralem Vokabular zu hantieren, in deren Lerntradition wir nicht stehen, was den Zugang dazu maßgeblich erschwert oder gar in Gänze verschließen kann.

Karma wird geläufig mit dem unausweichlichen Teil unseres Lebensschicksals gleichgesetzt und meist dann bemüht, wenn wir das Wort „Pech“ oder „Unglück“ ebensogut einsetzen könnten. Karma ist aber nicht nur ein Schlagwort sondern ein elaboriertes quasiphilosophisches Konzept.

Blicken wir etwas tiefer, wird uns ein Rationalisierungsversuch angeboten: Karma sei die logische und abschätzbare Konsequenz aus einer Ursache (einer Handlung) und deren Folge (der Konsequenz dieser Handlung). Kurz: „Wie man säht, so erntet man.“ oder „what goes arround, comes arround“.

Das genaue Gegenteil ist jedoch nach dem Karmakonzept mitunter der Fall.

Wollen wir dem Konzept auf den Grund gehen und studieren die Karmatheorie genauer, dann kommen wir schnell an die Grenzen unseres traditionellen Weltbildes, in dessen kulturphilosophischer und –historischer Eingebundenheit wir selbst oft tiefer stehen, als es uns manchmal bewusst oder gar recht ist. Umso faszinierender ist das Karmakonzept jedoch gerade für den, für den es nicht selbstverständlich ist, das Leben, seine Prozesse und Gesetze aus dieser Sicht zu betrachten.

In der Tat ist Karma demnach eine gewaltige Kraft, die Ihnen in entsprechenden Zeitzyklen enorme und unsichtbare Widerstände entgegenstellen und viele Bemühungen vereiteln kann. Aber es sind Kräfte des gleichen Ursprungs, die Ihnen zu anderen Zeiten und in anderen Bereichen auch Rückenwind, einen leichten Zugang zu Ihren Aufgaben und großes Glück und günstige Umstände bescheren können. Nur neigen wir allzu gern dazu, letztere eher unseren eigenen Mühen und Anstrengungen zuzuschreiben und in unserer Autonomiebilanz ganz selbstverständlich auf der „Habenseite“ zu verbuchen. Das kann vor dem Hintergrund einer authentischen Betrachtung aber natürlich nur die halbe Wahrheit sein.

Dieses negative Karma steht vor allem mit dem 6., 8., 10. und 12. “Haus” eines Horoskopes in Verbindung, 4 Häuser, die als Dusthana bzw. Upachaya- Häuser bezeichnet werden. In ihrem Grundcharakter werden sie als ungünstig klassifiziert, zeigen Verluste, Krankheiten, Entsagungen und Enttäuschungen an. Das zeigt auf ,wie ungern man sich auch nach diesem Konzept einfach einer bedingungslosen  Hinnahme ergeben würde. “Indien” ist weit weniger fatalistisch, als viele glauben zu wissen.

So beliebig das ersteinmal für den Laien klingen mag: Ein- und dasselbe Yoga im gleichen “Haus” kann sich zu einer Erbschaft auf materieller Ebene, einen Herzinfarkt auf der physiologischen Ebene oder zu einer Hochzeit manifestieren, die einen festen Bund auf emotional/mentaler Ebene bedeutet. Das Horoskop ist nur eine zweidimensionale Kartographie einer vierdimensionalen Realität. Daher würde der Astrologe ohne jede Rückinformation oder konkrete Fragestellung des Klienten viel eher spekulieren müssen, als Antworten liefernde und nützliche astrologische Arbeit zu leisten.

Lagna Der Lagna in einem indischen Horoskop ist der Aszendent.

Genau wie in der westlichen Astrologie auch, beschreibt er jenes Tierkreiszeichen, dass im Augenblick Ihrer Geburt am Ostfirmament aufsteigt. Deshalb ist die Uhrzeit für den Astrologen wichtig:

Im Bezug auf den 0°- Meridian, durch den Greenwich/London weltberühmt ist, wird diese “Weltzeit” auf die “Ortzeit” zurückgerechnet, zu der Sie geboren sind.  Und gegebenenfalls mit einem +/- in die zutreffende Zeitzone- ausgehend von Greenwich- ausgewiesen. In Greenwich mag das Zeichen Löwe aufgestiegen sein, aber wenn Sie in Deutschland oder New York geboren sind war dort aufgrund der Kugelform der Erde womöglich ein anderes Tierkreiszeichen am Horizont zu sehen.

Um den Aszendenten rankt sich vor allem das Missverständnis, inwieweit sich die “Eigenschaften” dieses Zeichens vom Sonnenzeichen unterscheiden, inwieweit sie sich durchmischen und ob sich eine Verlagerung vom Sonnenzeichen altersabhängig zum Lagna hin “entwickelt” oder nicht.

An dieser Irritation macht sich neben den Fragen astronomischer Korrektheit mehr oder weniger die inzwischen entstandene tiefe Kluft von Jahrtausenden “Astrologieimport” und zwischen indischer und westlicher Astrologie fest:

Westlich geschieht die Herangehensweise an ein Horoskop vornehmlich über eine psychologisch orientierte, meist esoterisch beeinflusste, die Persönlichkeit  skizzierende und beschreibende Charakterisierung eines Menschen. Astrologie ist hier inzwischen an einem gewandelten Menschheitsbild ausgerichtet. Indische Astrologie versucht, Lebensläufe zu beschreiben und abzuschätzen, klammert den freien Willen aber bereits seit 6000 Jahren dabei nicht aus (siehe unter Jyotish und Karma).

Der Lagna im indischen Horoskop repräsentiert den Nativen selbst. Wenn überhaupt psychologisiert werden kann und am Horoskop soetwas wie ein “Charakter” , ein “Wesen” abgelesen werden kann, dann macht sich das was wir im Westen darunter verstehen aus Sicht indischer Astrologie allenfalls am Lagna, den Aspekten auf ihn und der Position des Aszendentenherrschers (Lagnesh oder Lagnadipathi) sowie an der Position des Mondes in einem Horoskop fest, denn diese beiden Punkte sagen etwas über die Mentalität aus.

Der Lagna steht im “ersten Haus”- im “Thanu Bhava” und er repräsentiert damit das Pakriti des Nativen- die nach ayurvedischer Vorstellung in die Existenz getretende Verkörperung. Deshalb ist er so enorm wichtig. Er repräsentiert den “aus Nahrung gebildeten” Körper, den Body des Nativen, im Ayurdeda als annamaya kosha bezeichnet.

Astrologische Interpretation gleich welcher Schule würde ohne diesen Lagna wenig Sinn machen. Deshalb ist ein Horoskop ohne konkrete Uhrzeit wie ein Trinkglas ohne Wände: Der Astrologe hat kein Gefäß, an dem entlang das Wasser seinen Raum am Glasrand finden könnte. Selbst ein Einzeller braucht eine Hülle. Die Farben Gelb, Rot und Grün haben für sich gesehen zunächst keine Referenzaussage. Mit dem Begriff “Ampel” aber bekommen sie Kontexte zugeschrieben und Bilder tun sich auf.

Dieser Lagna ist immer aktiv und wirksam. Sie können nicht in die Badewanne oder aus einem Flugzeug steigen, ohne sich selbst mitzunehmen. Wer würde Ihr Handgepäck tragen? Wer das Wasser einlassen?

Wie unterschiedliche Kategorien astrologischer Yogas auch, wirkt der Lagna vom ersten Atemzug an, er bedarf keiner gesonderten Dasha- Auslösung, er ist immer da und präsent. Für Sie selbst und für andere.

Wenn ein Astrologe mit seiner Arbeit beginnt, gilt deshalb alle Aufmerksamkeit dem Lagna. An zweiter Stelle dessen Herrscher. Wo steht der Lagnadhipati, wohin strebt also das Hauptanliegen dieses Menschen? In welchen Lebensbereich, beschrieben durch den Bahva (“Haus”, Sanskrit: “Zustand”), welche Aspekte bekommt der Aszendentenherrscher dort, in welche Yogas ist er eingebunden und was macht dies mit dem Nativen?

Wenn wir indisch vom Zeichen sprechen, sprechen wir vom Lagna. Der Zwilling ist der, dessen Lagna im Zeichen Zwillinge steht und der Skorpion ist der Mensch mit Skorpion am Aszendenten.

Wenn ein gut geschulter indischer Astrologe Ihren Lagna kennt, kann er bereits sehr viele Aussagen über Ihren grundsätzlichen Lebensverlauf aussagen. Denn am Lagna entrollt sich Ihre gesamte Existenz, durch den Lagna bestimmt sich die Verteilung aller 12 Tierkreiszeichen in Ihrem Geburtshoroskop.

Dadurch weiß er, welche Häuser von welchem Planeten beherrscht werden und dekliniert sozusagen in Gedanken diese Planeten blitzschnell einmal durch alle Häuser durch. Er weiß ganz genau, wo welcher Planet erhöht steht, wo er in schlechter Würde oder  im Fall steht, wo sein Moolatrikona (sein eigenes Zeichen) im Horoskop positioniert ist. Und dadurch weiß er auch, welche Planeten, die die Funktion von Signifikatoren (spezifische Themenerzeuger) haben, ihre Resultate im Leben hervorbringen werden, wo nur teilweise und wo höchstwahrscheinlich gar nicht.

Einen ähnlichen (für einen Laien geradezu okkult wirkenden) Effekt können Sie erleben, wenn Sie Ihr Nakshatra benennen. Durch das Nakshatra ist ihm der Herrscher des Nakshatras in die Hand gegeben. Er weiß nun, mit welchem Dasha Ihr Leben begonnen hat, kennt dadurch bereits Ihre familiäre, gefühlte Umgebungstemperatur, kann Aussagen über Ihr Elternhaus und die frühe Kindheit machen und er weiß auch, welche Dashas Sie im jeweiligen Alter bereits erlebt haben können und nun erzählt er einfach (denn die Abfolgen der Sequenzen sind klar definiert) der Reihe nach über die Signifikatoren und berichtet über Ihr Leben bis zu dieser Zeit.

Weil sich in den entsprechenden Dashas die Ergebnisse der Planeten in Ihrem Leben manifestieren- er zudem Ihre mentale Ausrichtung kennt, (denn Ihr Nakshatra haben Sie ihm ja genannt), ist das für ihn keine Schwierigkeit.

Er hat 20 Jahre Lang in seiner Gurulika (der Schule seines Mentors) komplizierte astronomische Berechnungen angestellt, für seinen Lehrer Horoskope vorbereitet, das Shadbala für jeden Klienten niedergeschrieben, die Ashtakavarga- Tabellen und die Dashasequenzen von Hand berechnet, aber vor allem hat eines immer wieder gehört:

Die mythologisch-assoziativen Beschreibungen der Puranas, den Sub- Sub- und Zweigtexten der Veden. Dort stehen in Versen (den Shastras und Sutras)  verschlüsselt letztlich alle denkbaren astrologischen Kombinationsmöglichkeiten in Form von Geschichten des (nur scheinbar) uferlosen hinduistischen Pantheons niedergeschrieben. Und viele Male hat er auch über Ihr Geburtsnakshatra gehört und gelesen und er wird wenig Schwierigkeit haben, diese Erzählungen auf Ihr Leben zu übertragen und unter dem Abgleich der Dashas, die Sie bis zu diesem Moment erlebt haben müssen, Ihr  bisheriges Leben nachzuvollziehen.

Daher mein Appell: Seien Sie – gerade in Indien- entweder zurückhaltend mit Ihren Geburtsdaten, wenig verwundert oder aber aufs Äußerste gefasst.

Lagnadiphati/ Lagnesh: Aszendentenherrscher. Der Planet, der über das Zeichen, in dem der Aszendent steht, herrscht.

Muhurtha:  Muhurta bedeutet wörtlich “48 Minuten” und bezeichnet das Zeitfenster eines geeigneten Augenblickes für eine wichtige Handlung. Sei es eine Hochzeit, die Unterschrift unter einen Vertrag,  der Antritt einer Reise oder der Kauf eines Autos: Alles hat seine ideale oder doch zumindest bestmögliche Zeit.

2/3 seiner Arbeitszeit verbringt ein indischer Astrologe mit der Berechnung von Muhurtas. Das Konzept dahinter ist, dass wir am besten dann handeln, wenn sich unsere persönlichen astrologischen Konstellationen bestmöglich mit den universellen Kräften- angezeigt durch die aktuellen und bevorstehenden Planetenpositionen- effektiv zusammenführen lassen. Dann ist ein ungebundener, synergetischer und effektiver Verlauf geebnet und eine Handlung erfolgversprechend.

Nakshatra: Ist eine “Mondstation”. Ein Nakshatra erstreckt sich im Zodiak über 13°20´Bogenlänge, weshalb ein Tierkreiszeichen aus 2 1/4 Nakshatras besteht. Alle 27 Nakshhatras zusammen ergeben 360° – der Kreisbogen, durch den alle Planeten und die Sonne aus Sicht der Erde scheinbar hindurchwandern.

Ein Mond im „Zeichen Wassermann“ kann z.B. im Nakshatra Danistha, Shatabishak oder Purva Bhadraphada stehen und wird je nach genauer Position sehr unterschiedliche Ausrichtungen, Denkstrukturen und dadurch auch abweichende manifeste Ergebnisse im Laufe des Lebens und insbesondere in seinen Auslösungsphasen geben.

Der Mondstand bezeichnet die psycho-mentale Ausrichtung, die Denkstrukturen, das geistige Erleben sowie die Wahrnehmung (Manas) in der Horoskopanalyse und wird dadurch zu einem gewichtigen Gestaltungsfaktor der subjektiven Realität und damit zum oftmals unterschätzten Anteil unseres eigenen Zutuns zu dem, was wir Schicksal nennen.

Partnerschaftsastrologie

Die isolierte Analyse

Was ein indischer Astrologe macht, wenn er die Kompatibilität zweier Menschen prüfen soll ist ein erster logischer Schritt: Er analysiert zuerst beide Horoskope separat.

Der Hintergrund ist das Karmakonzept: Er prüft, wie stark beschädigt jedes einzelne Horoskop für sich in partnerschaftlicher Hinsicht ist. Was er dabei erhält ist der Grad karmischer Verletzung. Das gibt zunächst die Antwort auf die Frage, ob der einzelne ein eher schwieriges Leben haben wird, in dem Hindernisse, Krankheiten, Einsamkeit und viele Verluste eine größere Rolle spielen als Glück, gute Umstände, Zufriedenheit, Förderer oder Kinder.

Hierzu prüft er die Position aller Übeltäter: Saturn, Rahu, Ketu, Mars, je nach Position auch Merkur und selbst die Sonne in den beiden Horoskopen.

Die Sonne in einem Horoskop gilt als milder Übeltäter

Der Planet, der in westlicher Astrologie die maßgebliche Referenz ist, gilt nach traditioneller Überlieferung also zur Kategorie der verletzenden Planeten eines Horoskopes. Bemerkenswert!

Er prüft diese Planeten entlang der für Partnerschaft relevanten Punkte in jedem Horoskop: Aszendent, Mond und Venus. Und er bemisst dadurch 15 Prüfungsschritte nur unter dem Gesichtspunkt der Partnerschaft.

Nach dieser Prüfung kommt ein sehr grundlegender Gedanke in die Analyse, die die Bedeutung des Karmakonzeptes unterstreicht:

Ein Horoskop mit einer starken Beschädigung kann schlecht mit einem Horoskop nur leichter Beschädigung zusammenpassen. Der Partner als karmischer Ausgleich ist ausgeschlossen. Besonders schwierige Karmas in einem der Horoskope werden durch die Poorva Punja Karmas (die mitbegrachten positiven Karmas) des Partners nicht ausgeglichen.

Sie erinnern sich?

Avasya manubakthavyam kritam karma subhashubam.  

„Gleich welche Karmas angesammelt wurden – Gute wie Schwierige. Sie zur Zeit ihrer Auslösung zu erleben ist unvermeidbar.“ Daran ändert ein noch so liebevoller Partner an Ihrer Seite wenig. Er kann Sie im Idealfall aber unterstützen und begleiten, eine schwere Zeit dadurch erleichtern.

Die Begründung ist gut nachvollziehbar: Wenn 2 Menschen zueinander passen sollten, dann liegt auf der Hand, dass sie nicht nur gemeinsames Glück teilen werden, denn das ist kein Kunststück. Sie sollten ähnliche Erfahrungen und dadurch Verständnis auf den entsprechenden Ebenen füreinander teilen. Das kann auf Dauer nur dann gelingen, wenn die jeweiligen Referenzrahmen auch wirklich eine gemeinsame Schnittmenge ergeben. In Indien fragt man “Ist es das Karma meines Sohnes, diese Frau zu heiraten”? Damit ist nicht gemeint, ob sie füreinander “bestimmt” sind, sondern ob beide Horoskope den gleichen Schweregrad  karmischer Beschädigung beinhalten. Wenn man das weiß, verliert eine solche Fragestellung augenblicklich an deterministischer Brisanz.

Das Phänomen Kuja Dosha (Mangal Dosha)– the blemish of Mars

Den Begriff Dosha kennen Sie vielleicht aus dem Ayurveda. Dosha bedeutet Makel/Verletzung. Und eine sehr wichtige Prüfung ist die Verletzung durch den Planeten Mars in jedem der Horoskope. Wieder wird jedes Horoskop für sich geprüft und ein Wert ermittelt, der nach einem definierten Punktesystem von 0- 1000 reicht und dadurch eine sehr differenzierte Abstufung ermöglicht.

Wieder entsteht ein Filter, denn ein Mensch mit starkem Kuja Dosha kann sich sehr schlecht auf Dauer mit einem Menschen schwachen Grad Kuja Dosha verbinden. Bis zu einem  Alter von 30 Jahren führt Kuja Dosha nach der klassischen Literatur zu Brüchen und Beendigungen von Beziehungen. Meiner Beobachtung nach ist das Beziehungsleben aber auch jenseits dieses Alters bei Vorliegen von Kuja Dosha für entsprechende Partnerschaftsprobleme exponiert. Eine Ehe sollte daher nicht empfohlen werden, wenn der Wert außerhalb der Karenz liegt.

Kuja Dosha liegt technisch vor, wenn Mars sich im 1., 12., 2., 7. 8. oder 4. Haus von entweder dem Lagna (Aszendenten), Venus oder Mond aus gezählt, befindet. der Astrologe prüft also  18 weitere Punkte und hat die beiden Horoskope bis hierhin nicht miteinander verglichen.

Der Vergleich an sich

Sind die Basiswerte der einzelnen Horoskope berechnet und reichen die Werte nicht so weit auseinander, dass der integer arbeitende Astrologe hieraus eine Verbindung von Langlebigkeit ablesen und empfehlen kann, beginnt das eigentliche Stadium der  Synastrie (Partnerschaftsanalyse).

Die Referenz ist das weibliche Horoskop

Das Vergleichshoroskop innerhalb der Porutthams ist das weibliche Horoskop. Es stellt die Basis und von dort aus werden nun die relevanten Punkte berechnet. Das hat philosophische Hintergründe und es macht in der Tat Sinn, alle Zählweisen vom weiblichen Horoskop  aus vorzunehmen. Anderenfalls würde sich das Ergebnis verfälschen. Es folgen 17 Vergleichsberechnungen, die sich neben den oben beschriebenen Prüfungen in 3 weitere Ebenen einer Beziehung unterteilen:

Der Vergleich der mentalen Ebene

Die Zeichen, in denen die beiden Monde stehen.

Die Herrscher (Dispositoren) der beiden Mondzeichen und die Abstände, die sie zueinander bilden.

Vasya: Die Fähigkeit zu einer flexiblen Anpassung auf diesen Partner.

Stree Deerga: Ob die Partner bereit und fähig zu einem Partnerschafts-commitment sind. Dabei geht es nicht um eine generelle Fähigkeit, sondern um diesen konkreten Fall.

Der Vergleich auf der Basis der beiden Mond- Nakshatras- die physisch-materielle Vereinbarkeit

Vedha: (“Stich”).  Die Wahrscheinlichkeit gegenseitiger Verletzungen.

Dina: (“Tag”). Die “Alltagstauglichkeit” der Beziehung.

Mahendra: Ob diese Verbindung wirtschaftlichen/materiellen Erfolg verspricht.

Yoni: Ob es eine körperliche/sexuelle Kompatibilität gibt.

Der Vergleich auf subtil-feinstofflicher Ebene, der ebenso im Yoga  und Ayurveda verwendet wird

Rajju: Gibt Auskunft über richtungsbezogene Energieflüsse im Körper der Partner.

Nadi: Gibt Auskunft über die 7200 Nadis (“Kanäle”) im Ayurveda, von denen die 3 Hauptkanäle Ida, Pingala und Sushumna den 27 Nakshatras zugeordnet sind, die auch in der Prashna- Analyse eine wichtige Rolle spielen.

Gana: Bezeichnet einen intrinsisch-psychologischen Anteil des Nakshatras, in dem der jeweilige Mond steht.

Wenn diese Berechnungen abgeschlossen sind und sich aufgrund der Berechnungswerte eine empfehlenswerte Kompatibilität ergibt, geschieht noch ein ganz entscheidender Schritt:

Sama Dasha oder Dasha sandhi

Ein Dasha ist ein Zeitabschnitt unterschiedlicher Länge. In einem Dasha wird ein Planet ausgelöst und verwirklicht seine Karakatwas (die Signifaktionen, für die er steht) im Leben eines jeden Einzelnen.

Ein Dashawechsel kann sehr turbulent verlaufen und einige Erschütterungen und Schwierigkeiten mit sich bringen. Was also als äußerst wichtig erachtet wird, ist, dass die Dashawechsel nicht zeitgleich stattfinden. Wenn einer der beiden Partner innerhalb einer Beziehung einen Dashawechsel zu meistern hat, kann der andere part das u.U. abfedern. Durchlaufen beide aber zeitgleich eine belastende Phase, dann kann sich das virulent auf die Beziehung auswirken und im schlimmsten Falle zum Bruch führen. Die Regenten der laufenden und künftigen Dashaperioden sollten daher in günstigen Yogas zueinander stehen und nicht zeitgleich ausgelöst sein, um ein Weiterbestehen der Partnerschaft zu ermöglichen.

Daneben spielen Fragen nach dem Vorliegen eines Kala Sarpa Yoga, nach der Verbrennung (Combustion) partnerschaftsrelevanter Planeten, dem Navamsha (D9) als Unterhoroskop für die spezifischen Themen Lebensglück und Partnerschaft und auch der ayurvedischen Konstitution beider Partner eine wichtige Rolle, ganz sicher jedoch – weder Ost noch West- die alleinige Frage, unter welchem „Sternzeichen“ ein Mensch geboren wurde.

Astrologie und ihre praktische Anwendung:  Ein kleiner Exkurs

Homa- Das Feuerritual

Homa- Das Feuerritual

Jyotish wird im gesamten vedischen Kulturraum, der weit über Indien hinausreicht, seit Jahrtausenden täglich millionenfach praktiziert. Sie steht dadurch in einer lebendig gebliebenen Tradition. Als Wissenschaft betrieben, folgt sie einem elaborierten und sehr strengen technischen Regelsystem und einer rituellen Eingebundenheit der Menschen. Indische Priester, die Pandits und Pujaris, sind meist selbst Astrologen. Sie führen für die Bevölkerung die Tempelrituale durch, und man erwartet daher berechtigt, dass sie auch in astrologischer Sicht wissen, was sie tun. Auch kleine Siedlungen haben einen Dorfastrologen, der täglich viele Klienten empfängt und unter den Augen der Menschen für jeden ersichtlich arbeitet.

Die Möglichkeit hautnaher Beobachtung dieser Riten, die durchweg in astrologischen Kontexten stehen, ermöglicht es dem Studierenden, astrologische Feld- und Basisforschung zu betreiben. Diese praktische Art des Studiums wäre in der westlichen Welt undenkbar. Dadurch wird eine synchrone und an den Erfordernissen der aktuellen Zeit orientierte Überprüfung von abstrakten Regeln und deren praktischen Anwendung gegenwärtig und möglich.

Darüber, wie Astrologie zu der Zeit der Griechen, Römer oder Sumerer praktisch angewandt und gelehrt wurde, welche Techniken in welchen Zusammenhängen verwendet wurden, welchen Stellenwert sie überhaupt in der Gesellschaft hatte oder was die alltägliche Konsequenz des Fragenden und des Astrologen daraus war, darüber findet der Astrologiestudierende in der verfügbaren Literatur wenige bis gar keine Hinweise.

Sankranti: Ist die Sanskritbezeichnung für das astronomische Phänomen des Ingress. Als Ingress bezeichnet man den Eintritt eines Himmelskörpers in ein neues Tierkreiszeichen oder im Jyotish auch den Eintritt in ein Nakshatra.

Sani/Shani: Ist der Sanskritname von Saturn. Neben Rahu, dem nördlichen Mondknoten und Mars gilt Saturn als natürlicher “Übeltäter”. Das heisst, seine Indikationen gehören nicht zu den angenehmen Seiten des Lebens. Er ist der Signifikator für die Lebenslänge, harte und disziplinierter Arbeit, chronische Krankheiten und Verluste. Besonders gefürchtet sind in Indien die beiden Phasen Sade Sati und Sani Ashtami. Sade Sati liegt vor, wenn der laufende Saturn über den Mond wandert, eine Phase, die 7 1/2 Jahre Zeit andauert.

Sani Asthami besagt in einem Horoskop, dass Saturn das achte Haus vom Geburtsmond durchwandert. Diese Phase dauert “lediglich” 2 1/2 Jahre.

Diese beiden Phasen können sehr belastend, zehrend und verlustreich sein. Die Negativindikationen sind höher, wenn Saturn neben seiner Rolle als natürlicher Übeltäter auch die funktionale oder temporäre Herrschaft schwieriger Häuser im Horoskop übernimmt.

Man empfiehlt in dieser Zeit zur Planetenbesänftigung u.a. die Lektüre des Sani Mahatmya, von dem es eine gut lesbare Übersetzung ins Englische gibt (The greatness of saturn). Ebenso bestimmte Teile des Ramayana, einem der spirituell-epischen Texte Indiens, den es auch auf deutsch zu lesen gibt.

Prashna: Ein Prashna ist ein Stundenhoroskop (auch Fragehoroskop oder Horoskop des Augenblicks genannt). Genau wie die Geburt hat eine konkrete Frage eines Klienten ihre verdeutlichte und verortete Entstehungszeit. Auf den Moment, in der dem Astrologen die konkrete Frage gestellt wird, wird das Horoskop berechnet. Dabei steht zur Prashnadeutung ein eigenes Regelsystem zur Verfügung. Die Interpretationsregeln folgen dabei nicht den Parasara-Regeln.

Den Raum nehmen hier die Taijaka- Aspekte und deren Interpretation ein. Im antiken Griechenland spielte diese Technik noch eine sehr große Rolle, wie sich anhand des klassischen Werkes Tetrabiblios nachvollziehen lässt. Diese bis heute in Indien absolut selbstverständliche Anwendung synchroner Astrologie verlor sich jedoch bis in die Gegenwart. Stundenastrologie ist in der zeitgenössischen westlich-astrologischen Praxis bedauernswerter Weise eher exotisch.

Im Jyotish gilt sie neben Mundanastrologie und dem Muhurta als Königsklasse, denn sie ermöglicht die Beantwortung recht kurzfristiger und ganz konkreter Fragen, vor allem dann, wenn sie mit einem stichhaltigen ja oder nein beantwortet werden können und bildet damit die Dimension einer sehr pragmatischen und lebensnahen Anwendung von Astrologie an sich.

Siderischer Tierkreis:  In der indischen Astrologie wird heute noch wie vor 6000 Jahren, der siderische Tierkreis zur Horoskopberechnung zugrunde gelegt. Dieser Tierkreis trat durch die Verbreitung in Richtung der westlichen Welt, ausgehend von Indien über den arabisch- orientalischen Raum, bis zu den antiken Griechen und Römern eine Jahrtausende dauernde Reise an. Die Quellen der bei uns aus Indien angekommenen Astrologie sind nur noch sehr bruchstückhaft vorhanden, wenn nicht gar durch das später aufkommende Christentum in Gänze vernichtet. Der Klerus dieser monotheistischen Religion hatte Angst, Astrologie könne an der Allmacht Gottes zweifeln.

Sub- Dasas: Sind die Dasa- Unterperioden. An oberster Stelle steht das Maha- Dasa. Um Ereignisse innerhalb dieser teils viele Jahre andauernden Phasen genauer zu beleuchten, existieren weitere Ebenen:

Das Bhukti (Südindische Bezeichnung) oder Antardasa (Nordindisch) als erste Unterphase. Der Bhuktiherrscher wird als Mitregent des Mahadashas gewertet und übernimmt quasi dessen Hauptanliegen in wiederum seine Lebensgebiete und modifiziert die Ereignisse sekundär.

Das Pratyantardasa wird im Zusammenhang mit dem Varshaphal- dem Solarhoroskop ausgedeutet und für die Jahresprognose verwendet.

Das Sookshama- Antardasa ist bereits die vierte Unterebene, die gewöhnlich aber nicht mehr in die spezifische Deutung einfließen kann.

Darunter existieren noch das Praana Antardasa und das Deha- Antardasa.

Diese Subdashas dauern teils nur Tage oder Stunden an. Da die Geburtszeiten sehr selten auf die halbe Minute genau sind, ist eine Deutung dieser Ebenen aber nicht  ungefährlich und auch nicht effektiv genug. Nur allzu leicht verschieben sich hier die Zeitfenster und führen zu einer falschen Prognose. Für Fragen bei denen es auf kurze Zeiträume ankommt, stehen ohnehin sehr viel wirksamere Techniken, wie das Muhurta, das Varshaphal ( das Jahreshoroskop) und vor allem das Prashna zur Verfügung.

Tropischer Tierkreis: Der tropische Tierkreis ist das, womit westliche Astrologen arbeiten. Er bildet mit den tatsächlichen Planetenstellungen am Firmament keine Synchronizität.  Was vermutlich schon im antiken Griechenland geschah, war, dass der Verlauf der Planeten zwar hypothetisch auf tausende von Jahren vorausberechnet wurde (die Ephemeride).  Aber die Elipsenbewegung der Erdachse wurde nicht beachtet, obwohl sie bereits in den Veden erwähnt ist. Unklar ist, ob das beabsichtigt geschah.

Upaye: Sind Abhilfemaßnahmen. “Remedies”. Sie gehören in die Reihe der Sadhanas, der spritituellen Praktiken, für die Indien so bekannt ist. 

Es existieren sehr reizvolle philosophische Schulen der alt- wie auch der neo- hellenistischen Epoche, in dem der kognitive Ansatz über alles gestellt und die einer lebensnahen, physischen Anwendung der Astrologie, wie man ihn aus dem Ayurveda kennt, wesensfeindlich gegenüberstanden. Der Mensch allein sei Gestalter seines Schicksales und könne sich das Leben genau so einrichten, wie er es benötigt. Beispielsweise gelang Epikur ein “Gotteswiderleg” in nur 3 Hypothesensätzen; der Theodizee.

Einflüsse der Moderne wie zum Beispiel Rudolf Steiners anthroposophischer Ansatz  haben westliche Astrologie immer weiter modifiziert. Sie folgte gewissermaßen den angepassten Trends und Moden.

Und es gibt letztlich einen maßgeblichen Einfluss der Säkularisierung der europäischen Neuzeit. Dieser Prozess ist längst nicht abgeschlossen. Wir erfahren einerseits eine weitgehende Entzahnung von Glauben, der so etwas wie einen affirmativen und rituellen Zugang als Sinnempfindung im Leben geben könnte und dem gelebtem gesellschaftlichen Leben andererseits.

Das sind Entwicklungen, die wir bisweilen auch als Errungenschaft empfinden. Sie haben jedoch nicht wirklich dazu geführt, dass vom empfohlenen Nährwert einer Verbindung von Astrologie, rituellen Handlungen oder gar spirituellen Kontexten, bedeutsam mehr übrig bleiben konnte als einige Spurenelemente für selbsternannte “esoterische” Kreise, um ein gebräuchliches Bild zu bemühen.

Nicht jede remedie ist für Jedes Horoskop gleichermaßen geeignet. Die spezifische Indikation sollte anhand des Horoskopes sehr genau analysiert sein, damit für  die entsprechende Zeit auch die richtige Methode gefunden werden kann.

Einblicke in die Überlegungen aus der astrologischen Praxis

  • Das Tragen eines Edelsteines für den Planeten Saturn (blauer Saphir) oder Merkur (Smaragd) ist für einen Löwe- Lagna keine anratenswerte remedy . Saturn ist natürlicher und temporärer/funktionaler Übeltäter zugleich für sein chart. Merkur wird durch die Herrschaft der beiden Häuser 2 und 11 zu einem temporären Übeltäter: Die Wirkung wäre gegenteilig.
  • Das Tragen eines gelben Saphirs ( für Jupiter/Brihaspathi ) wäre für den Waage- Lagna keine Hilfe, denn Jupiter ist im Horoskop eines Waageaszendenten der stärkste Übeltäter durch seine Herrschaft über die beiden Häuser 3 und 6, deren Herrscher astrologisch automatisch als Übeltäter klassifiziert werden. Einen solchen Planeten zu stärken, wäre insbesondere auf physischer Ebene nicht anratenswert, dort wo das Tragen eines solchen Edelsteines die unmittelbarste Wirkung entfaltet.
  • Würde ein Stieraszendent über Phasen an Samstagen fasten (was einem Löweaszendenten  in bestimmten Phasen anzuraten ist), würde er die Wirkung des  Rajayogaplaneten Saturn reduzieren. Der Rajayoga- Karaka Saturn ist aber als Herrscher der beiden sehr günstigen Häuser 9 und 10 gleichzeitig  der Planet, der Erfolg und Aufstieg und damit Ansehen in seiner Auslösungsphase gibt. Würde eine solche Idee zudem im Saturn- Dasa aufgegriffen, wäre seine Wirkung genau in der Phase, in der er manifeste Ergebnisse bringen wird, stark eingeschränkt. Eine absolut nicht wünschenswerte Folge.
  • Würde ein Schütze- Aszendent durch die Verwendung eines entsprechenden Yantras eine Venusstärkung vornehmen, wäre das unter Umständen nachteilig: Venus herrscht in seinem solchen Horoskop über die beiden sehr schwierigen Upachaya Häuser 6 und 11. Er würde den Planeten in seinem Horoskop verstärkt aktivieren, der für seinen Aszendenten den größten Widersacher darstellt, denn die Upachayhäuser stehen in engem Zusammenhang mit Hindernissen, Leid und Widerständen. Eine solche remedy wäre nicht im Sinne des Betroffenen.

Dies sind Basisüberlegungen, die die Analyse längst nicht abschließen. Wie Sie  erahnen können, ist die Empfehlung der geeigneten remedy eine Individualempfehlung – zeitlich, den Gegebenheiten angepasst und mit den persönlichen Möglichkeiten abzustimmen. Denn ein Edelstein beispielsweise muss im Jyotish auf eine bestimmte Art und Weise eingefasst sein und sollte eine Karatzahl von mindestens 2 Karat nicht unterschreiten. Darunter ist seine Wirkung nicht sehr wahrscheinlich.

Yoga:

Yoga bedeutet “Joch” oder “Bürde”, und die Position von 2 Planeten oder Bezugspunkten im Horoskop bezeichnen somit symbolisch bestimmte Persönlichkeitsanteile, Lebensumstände und, je nach den eingebundenen Planeten, auf einer bestimmten Ebene auch ganz konkrete Personen und ihre Bezüge zueinander. Es handelt sich kurz um: Planetare Positionierungen.

Diese Yogas werden in verschiedene Klassifizierungen unterteilt und betrachten innerhalb einer solchen ganz bestimmte Fragestellungen. Der Astrologe hat die Aufgabe, diese Yogas zu erkennen, sie richtig zu deuten und am Ende der Analyse auf dieser Betrachtungsebene die Vielzahl an Aussagen zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzublenden. Ein Yoga ist ein überlieferter Sanskritvers.

Mehrere Tausend dieser Yogas existieren im klassischen Schrifttum, wenngleich sich in einem Horoskop meist nur mehrere Dutzend auf Anhieb offenbaren.

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