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Karma und Jyotish

Avasya manubakthavyam kritam karma subhasubham

Sloka 

 „Gleich welche Karmas angesammelt wurden – Gute wie Schwierige. Sie zur Zeit ihrer Auslösung zu erleben ist unausweichlich.“

Was kommt Ihnen persönlich in den Sinn, wenn Sie das Wort Karma hören?

Im Begriff Karma steckt gewissermaßen die gesamte Genealogie der vedischen Kulturtradition. Sie reicht weit über Indien hinaus. Das dahinter stehende Konzept beeinflusst auch die später aufgekommenen Philosophien und Religionen des Orients. Zumindest insoweit religiös frei und nicht durch eine Verkirchlichung dogmatisiert, ziehen sie alle einen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt in Betracht. Ihn räumen im Kern selbst die christlichen Religionen in unterschiedlicher schrifttextlicher Transparenz ein.

Das gesamte indische Geburtshoroskop wird als Ausdruck der unterschiedlichen Karmas in ihren differenzierten Klassifizierungen, Ebenen und Intensitäten erachtet. Und das können sowohl schädliche und unangenehme Dinge wie Krankheiten, Leid und die „Verunmöglichung“ von Wünschen und Zielen sein. Es handelt sich aber ebenso gut um förderliche Dinge wie Talente, Glück, eine positive Selbstmotivation, eine förderliche Partnerschaft oder der richtige Astrologe zur richtigen Stunde am rechten Ort.

Karma ist also nicht zu verwechseln mit “Schicksal”.

Vielmehr ist Karma die Requisite auf der Bühne, vor deren Hintergrund sich Schicksal abspielt.

Tempel

Chandrachoodeswarar Tempel Hosur

 

Karma ist nicht gleich Karma

Wir unterteilen in das Sanchita Karma. Das ist sozusagen der karmische Pool, die  scheinbar arbiträr zusammengesetzte Gesamtheit karmischer Zusammenhänge. Sie umfasst vergangene Lebensspannen eines Menschen (man sagt, die letzten 3) vollumfänglich.

Aus diesem bereitstehenden Karma heraus inkarnieren wir, verschlüsselt und kodiert im Geburtshoroskop, in die gegenwärtige Existenz und setzen unser Prarabdha Karma in Gang. Dies ist die spezifische karmische Verortung und Verzeitlichung unserer Geburt und definiert damit auch den Standort von Jyotish innerhalb der vedischen Wissenschaften.

Die 4 Faktoren desha (der Ort der Geburt), kaala (die Epoche der Geburt), saamakti (Eltern) und nimmita (der auf Basis des Sanachita Karma teilbilanzierte karmische Anteil) bilden in ihrer Gesamtheit das Prarabdha Karma dieses Lebens.  Startpunkt und Geschehnisse unseres Lebens sind Teile dieses Prarabdha Karmas. Es bildet also das erlebbare Substrat an Erfahrungen ab, denen wir in unserem jetzigen Leben begegnen. Dieses Karma ist durch den Zeitpunkt der Geburt planetar synchronisiert. Das bedeutet, die Kodierung findet ihren Ausdruck durch das Geburtshoroskop.

Wir erleben jedoch nicht alles, was unser Horoskop potentiell anzeigt. Unsere Lebensspanne ist begrenzt und manche planetare Auslösungsphasen (Dasas) erleben wir deshalb naturgemäß nicht. Hier kommen die Dasas ins Spiel. Auch diesen Aspekt muss ein indischer Astrologe beachten. Dieses Prarabdha Karma wird in zwei unterschiedliche Erscheinungsformen eingeteilt: dridha- und adridha Karma. Dabei bedeutet dhrida „fix“ und adhrida „flexibel“.

Pujari1

Brahmane während einer Puja

Auf dieser Betrachtungsebene verbringt der Jyotishi einen Großteil seiner Arbeitszeit bei der Deutung eines Geburtshoroskopes. Denn es gibt zwar Teilbereiche, in denen dieses Prarabdha Karma und somit wir selbst „gebunden“ sind (man spricht von karmic bondagde), in denen sich das Karma so und nicht anders manifestieren wird. Andere Bereiche geben Raum zum Exerzieren des freien Willens.

Budhi karmannu saarani

“Die Entscheidungen folgen dem Karma “

Sloka

Innerhalb dieser Klassifizierung des Karmas exerzieren wir also unseren freien Willen und gestalten das Kriyamana Karma. Es ist quasi das Karma der Entscheidungs- und Wahlfreiheit. Gedanken, Worte und Handlungen und sogar die innere Haltung dazu sind dabei die „Generatoren“ der Konsequenzen, die uns künftig ereilen. Indem Sie diesen Text lesen, manifestiert sich beispielsweise ein Teil Ihres Kriyamana Karma in genau diesem Augenblick.

Handlungen, die uns in dieser Lebensspanne durch Handlungen aus dieser Lebensspanne ereilen werden, werden als Agami Karma bezeichnet und wir finden sie im 2., 3., 9. und 10. Bhava (Haus) bzw. identifizierbar durch die jeweiligen Herrscher, deren Stärken und Yogas.

Handlungen, die Sie bewusst und zielgerichtet begehen oder begangen haben und die in Ihrer Lebensspanne eine mittel- oder unmittelbare Auswirkung haben, bezeichnet man als karmaphal, Frucht des Karmas.

Ähnlich eines Geldscheins, den Sie z. B. bei einem Indienurlaub vor Ort eintauschen, der unter Umständen 10 Jahre später beim Bäcker um die Ecke vielleicht wieder in Ihre Hände kommt. Mit zwei entscheidenden Unterschieden: Der Kreislauf des Karmas wird unter Umständen über die aktuelle Lebensspanne hinaus berechnet (was für uns Westler oft schwer fassbar ist)  Zweitens: Dass Ihnen die Bilanz dieser Gleichung eines Tages begegnen werden wird, ist nach diesem Konzept unzweifelhaft.

Wenn Sie sich dafür interessieren, welche Gesichtspunkte ein indischer Astrologe dabei unter die Lupe nimmt und was er daraus schließt, welcher Idee Karma zugrunde liegt, lade ich Sie ein hier unter Karma nachzuschauen, welche Teilbereiche des Horoskopes dabei untersucht werden.

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