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Warum Jyotish?

Die Unterschiede zwischen westlicher und indischer Astrologie

Siderischer und tropischer Tierkreis, das Ayanamsha

Indische Astrologie betrachtet die Planeten am Himmel nach ihrer tatsächlichen Position. Im Laufe der Jahrtausende wanderte diese synchrone Beobachtungsform in Richtung Westen. Es waren wohl die Sumerer oder die antiken Griechen, die den rhythmischen Verlauf der Planeten hochrechneten, dabei aber das Phänomen der eliptischen Rotation der Erdachse im Raum ignorierten – die Präzession.

Die Präzession beschreibt das Phänomen, dass unsere Erde im Raum sich nicht gleichförmig um die eigene Achse dreht, sondern eine Elipsenbewegung mit dieser Achse vollzieht. Diese führt zu einer konstanten Verschiebung der sichtbaren Bezugspunkte am Sternenhimmel von der Erde aus betrachtet – es sei denn, man orientiert sich an den räumlich dahinter stehenden Fixsternkonstellationen. Die Rotation dieser “Nakshatras” ist vergleichsweise gering. Zuletzt waren diese beiden Tierkreisberechnungen 285 n. Chr. deckungsgleich. Die Abweichung beträgt im Jahre 2010 ca. 24,0°2´ und vergrößert sich alle 72 Jahre um 1° Bogenlänge.

ayanamsa - präzession 2

Ayanamsa – Präzession nach Adission Wesley

Wer beispielsweise am 25. März geboren wurde, dessen “Sternzeichen” ist nicht Widder, denn die Sonne, die das Sternzeichen bezeichnet, steht astronomisch unzweifelhaft inmitten des Tierkreiszeichens Fische.

Wenn Sie Ihren Geburtstag am 26. September feiern, dann könnten Sie guten Gewissens die Kaffeetasse mit den Eigenschaften der “Waage” zum nächsten Polterabend mitnehmen, denn die Sonne steht schon seit Jahrhunderten an diesem Tag im Zeichen Jungfrau.

Die Navagrahas – Die neun Planeten im Jyotish

Im Jyotish arbeiten wir ausschließlich mit den Planeten, die wir auch aus der antiken westlichen Astrologie kennen: Merkur, Venus, Mond, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Zudem spielen die beiden Mondknoten Rahu und Ketu eine sehr große Rolle. Vor allem in Fragen des Karmas und für die Interpretation wichtiger Yogas, die sie bilden sowie der Eclipsen (Finsternisse). Obwohl diese Chayagrahas keine physischen Himmelskörper sind, werden sie in der indischen Astrologie als Graha (“das Greifende”) gewertet. Seit Jahrtausenden werden die Planeten in Form der Navagrahas in jedem Hindutempel gewürdigt und verehrt.

Westliche Astrologie, die inzwischen sehr viele unterschiedliche Schulen, Moden und Richtungen aufweist, bezieht die später entdeckten Planeten, Planetoiden und eine Vielzahl kontinuierlich wachsender Deutungselemente mit ein. Der sehr wichtigen Mondkonotenachse wird dabei traditionell keine größere Bedeutung beigemessen, wenngleich sie seit einigen Jahrzehnten auch hier im Westen wiederentdeckt wird.

Navagraha1

Navagrahas in einem Hindutempel

 

Die Yogas

 

Anders als in der westlichen Astrologie, in der die Winkelbeziehungen zweier Bezugspunkte im Raum bemessen und analysiert werden, (die sog. “Aspekte” Quadrate, Trigone, Sextile uvm.), sind eine Vielzahl von Yogas eine der vielen Spezialitäten im Jyotish. Dabei ist ein Yoga eine Kombination, die manchmal einen einzigen, meistens aber mehrere Planeten in Relation zueinander oder z.B. zum Aszendenten, dem Mond oder der Sonne setzt und dabei eine entsprechende Deutung definiert. Ein Yoga ist ein Sanskritvers und es existieren davon mehr als 2000, wenngleich sich zumeist nicht mehr als einige Dutzend auf Anhieb bei der Horoskopanalyse offenbaren.

südindische Grapahik

south indian chart

Sonnenstand und Mondstandastrologie

Im Gegensatz zur westlichen Astrologie arbeiten indische Astrologen schwerpunktmäßig nicht mit dem Sonnenstand sondern neben dem Lagna, dem Aszendenten mit dem Mond als Referenzpunkt in einem Horoskop. Er hat in den Geburtshoroskopen immer eine dem Aszendenten gleichrangige Priorität. Werden Sie in Indien beispielsweise gefragt What´s your star?“, benennen Sie nicht etwa den Sonnenstand in Form ihres „Sternzeichens“, sondern Sie geben die Lokalisierung des Geburtsmondes im entsprechenden Geburts- Nakshatra, der Fixsternkonstellation, an.

Planetarium

Planetarium

Die Dasha – Zyklen. “Die Zeiten ändern Dich” 

Eines der mysteriösesten, tiefsten und beeindruckendsten Geheimnisse und Werkzeuge im Jyotish sind die Dasha-Zyklen. Es sind planetare Auslösungsphasen auf verschiedenen Ebenen der Planeten im Geburtshoroskop in einer zeitlich definierten Abfolge. Diese exakten Rhythmen folgenden, aber von Mensch zu Mensch unterschiedlichen zeitlichen Auslösungen sind durch die gradgenaue Position des Mondes festgelegt.

Ich erhebe als Astrologe nicht den Anspruch, die Kontroversen auf dieser Seite zugusten indischer Astrologie zu entscheiden. Aber man muss die Frage der Astrologiekritiker, namentlich der Astronomen durchaus berechtigt stellen:

Welche astrologischen Konsequenzen bringt es mit sich, dass die Schwesternwissenschaft der Astrologie – die Astronomie – mit dem unbestechlichen Blick durch ein Teleskop andere Planetenpositionen feststellt, als uns Astrologen Tag für Tag glauben machen wollen?

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